Wo erwischt mich ein Konflikt wirklich?

Ich bin grantig. Fühle etwas in mir aufbrodeln, was mich stört. Ein Konflikt mit einem anderen Menschen scheint zu entstehen.

Doch wo und wie wurde ich da gerade erwischt?

Werde ich gefragt, was gerade los sei, sage ich etwas. Vielleicht spreche ich auch von selber. Doch was sage ich? Das, was mich wirklich stört? Oder vielmehr das, was gerade das Gefühl in mir ausgelöst hat?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich verschiedene Ebenen einziehen:

·         Ebene 6: Sinn

·         Ebene 5: Identität

·         Ebene 4: Werte

·         Ebene 3: Fähigkeiten

·         Ebene 2: Handlungen und Verhalten

·         Ebene 1: Kontext und Umfeld

 

Und ich stelle die Frage, wenn mich etwas stört: läuft dies wirklich auf der Ebene ab, die ich mitbekomme?

Ich zeichne zwei einfache Beispiele:

Es ist Montag. Die Heizung lief übers Wochenende im Büro durch. Es hat sommerliche 26 Grad. An konzentriertes Arbeiten kaum zu denken. Ich weiß, wer das Büro als letztes verlassen haben muss. Ich ärgere mich. Rede es nicht an. Und ärgere mich über dieses Missverhalten, die Heizung nicht herunterzudrehen.

Es ist Montag. Die Heizung lief übers Wochenende im Büro durch. Es hat sommerliche 26 Grad. An konzentriertes Arbeiten kaum zu denken. Ich weiß, wer das Büro als letztes verlassen haben muss. Ich ärgere mich. Rede es an. Und bekomme zur Antwort: „Sorry, ich bin ja recht neu da. Ich habe beim Gehen gesucht, wo ich das machen kann, aber nichts gefunden. Kannst Du es mir zeigen?“. Hoppla – der neue Kollege weiß das gar nicht. Er hat ja gar nicht die Fähigkeit, die Heizung herunterzudrehen, bis es ihm jemand zeigt.

 

Diese Beispiele veranschaulichen an einem simplen, aber doch oft heiß diskutierten Thema wie das Büroklima, dass dieser Konflikt – würde es einer werden – auf verschiedenen Ebenen abläuft. Ich habe mich über das Verhalten eines anderen Menschen geärgert (beziehungsweise sein Nicht-Verhalten im Sinn einer Unterlassung). Dabei hat dieser Mensch ja noch gar nicht die Fähigkeit, sich anders zu verhalten.

So kann dies bei verschiedensten Konflikten ablaufen. Die Ebene, die mir als erstes auf- bzw. einfällt ist mitunter nicht die, auf der es wirklich abläuft. Was bedeutet, zu beobachten und zu fragen ist notwendig, um mehr herausfinden zu können.

Ein kleiner abschließender Gedanke: je mehr die Ebene in Richtung Werte, Identität und Sinn geht, umso weniger lösbar mag der Konflikt werden. Hier geht es irgendwann nur mehr um Kompromiss oder schlussendlich um das Bewusstsein „Da kommen wir nimmer z’samm.“. Auch das kann helfen.


Viel Erfolg bei Beobachtung und Selbstreflexion!

 

 

P.S.: Bei aller Suche habe ich keine Originalquelle dieser „6 logischen Ebenen des Konfliktes“ ausmachen können. Sehr ähnliche Modelle heißen „Neurologische Ebenen“ oder „Logische Ebenen“ und haben hohe Deckungsgleichheit. Bei diesen werden Dilts (NLP) und Bateson (Lerntheorie) angeführt. Ich gehe davon aus, dass diese Ebenen zu den „6 logischen Ebenen des Konfliktes“ adaptiert wurden.