Glauben versus Vertrauen in Coronazeiten

Warum wir ein Wort durch das andere tauschen sollten.

 

Seit Monaten – ja seit einem Jahr – sind wir von täglichen Zahlen und Aktualisierungen umgeben. Von Hoffnung, von Resignation, von geänderten Lebensumständen.

Täglich neue Zahlen, die Krankheitsverläufe darstellen, Neuinfektionen, aber auch Impfungen, Fortschritte in der Forschung und Wirksamkeit in Prozent dargestellt.

Oft stoßen wir, vor allem in Sozialen Medien, auf Aussagen wie: „Das glaube ich nicht.“, „Die Daten stimmen sicher nicht.“ und Ähnlichem. Auch werden Medien und deren Glaubwürdigkeit in Frage gestellt, Einseitigkeit vorgeworfen und das präsentierte „Datenmaterial“ als falsch hingestellt.

Sehr oft kommt dabei „ich glaube“ vor.

Denke ich jetzt an „Glauben“, so tauchen spirituelle Themen auf. Religiöses, persönliche Menschen- und Weltbilder und Paradigmen.

Dabei wird das „Glauben“ an etwas auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Daten und Informationen im Sprachgebrauch angewandt.

Wie viel besser wäre es, stattdessen von Vertrauen zu sprechen?

„Ich vertraue nicht darauf, dass diese Daten richtig sind.“ spiegelt viel mehr die Einstellung der aussagenden Person wider.

Das zu erkennen, kann auch im gemeinsamen Gespräch helfen. Wird rhetorisch vom Glauben gesprochen, so kann ich fragen, ob mein Gegenüber nicht „vertraut“. Das Vertrauen hier hat viel mehr mit Unsicherheit, Zweifel und vielleicht auch Ablehnung zu tun als der persönliche Glaube, von dem das Wort „ich glaube“ hier abgeleitet angewandt wird.

Nicht zu vertrauen, dass präsentierte Zahlen und neue Forschungserkenntnisse stimmen, bedeutet auch, ich schreibe den Personen, die mir das vermitteln wollen, nicht zu, dass sie Richtiges aussagen. Dass dahinter irgendwo ein Fehler liegt, dass vielleicht auch mit bösem Hintergedanken etwas Falsches ausgesagt wird.

Damit können wir etwas anfangen und von der Vertrauensebene auf die primäre Emotion losgehen, die dahinter stehen mag. Was ist für mein Gegenüber das antreibende Gefühl, kein Vertrauen schenken zu können. Ja, absichtlich spreche ich vom Schenken, da hier etwas gegeben wird, ohne auf dieser Ebene eine Gegenleistung zu erhalten. Quasi der Vertrauensvorschuss, dass jemand anderer nichts Böses mit mir anfangen mag.

Somit mag die Substitution von „Das kann ich nicht glauben“ durch „Vertraust Du nicht, dass das auch stimmen kann?“ eine Möglichkeit der Erkenntnis sein.