Erwartungen zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen

Gegenseitige Erwartungen zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen

 

Kommt der Satz „Das ist ja eh klar.“ bekannt vor?

Ist der Gedanke „Was will denn der/die schon wieder von mir?“ nichts Neues? Entweder in einem selber oder von Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen?

Dann fehlt es vielleicht, sich damit zu beschäftigen: „Was erwarte ich von meinem Gegenüber?“

Und auch offen die Frage zu stellen: „Was erwartest Du eigentlich von mir?“

Offenheit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Teamfähigkeit, Rechtzeitigkeit. Das sind nur ein paar von vielen Schlagwörtern, denen viele zustimmen, werden sie gefragt, was sie von anderen Menschen im beruflichen Alltag erwarten.

Doch wurde das schon einmal gemeinsam besprochen? Verstehen alle das Gleiche darunter? Für den einen mag es pünktlich sein, bei einem Projektmeilenstein 10 Minuten vor Deadline zu liefern. Für die andere jedoch wären 2 Tage davor pünktlich, um drüber zu schauen und gegebenenfalls noch einen Beitrag liefern zu können. Wird das Wort „pünktlich“ nicht besprochen, so können Konflikte vorprogrammiert sein. Für beide Seiten war es persönlich on time, doch niemand ist so wirklich zufrieden.

Ob im Projektmanagement, ob unter Kolleg*innen – umso wichtiger wird es sein, dass sich Führungskräfte mit den Erwartungen ihrer Mitarbeiter*innen an sie zu beschäftigen. Und offen auszusprechen, was sie selber von ihnen erwarten.

Doch warum das?

Weil hinter Erwartungen Bedürfnisse stecken. Und um diese zu erkennen, müssen Menschen miteinander kommunizieren, um vom dünnen Eis der Vermutung auf festen Boden zu gelangen.

Eine einfache Übung dazu kann folgende sein:

Nehmen Sie sich als Führungskraft genug Zeit. Schauen Sie, dass alle Teammitglieder dabei sind. Ein ruhiger Ort ohne Störungen und vereinbarte Regeln, dass es jetzt in dieser Übung keine Störungen geben wird, sind dabei Voraussetzung – und mehr als hilfreich. Optimal ist es, wenn 2 separate Räume zur Verfügung. Je nach Größe des Teams geht es in den ersten 30 bis 45 Minuten darum, dass sich Mitarbeiter*innen und Führungskräfte separat voneinander überlegen:

 

Führungskraft

Mitarbeiter*innen gemeinsam

Was erwarte ich mir von meinen Mitarbeiter*innen?

Was erwarten wir von unserer Führungskraft?

Was glaube ich, erwarten meine Mitarbeiter*innen von mir?

Was glauben wir, erwartet unsere Führungskraft von uns?

 

Pro Frage wird jeweils ein Flipchart gestaltet.

Nachdem die Zeit vorbei ist, treffen alle wieder zusammen und stellen sich gegenseitig die Ergebnisse vor. Hier ist der Raum für Fragen und Erläuterungen.

·       „Wie ist das genau gemeint?“

·       „Kannst Du mir bitte ein Beispiel geben?“

Das sind 2 von vielen möglichen Fragen, die gegenseitig erhellen und zu einem gemeinsamen Verständnis beitragen.

Hier ist es wichtig, offen und ehrlich zu sein. Gemeinsam sich genug Zeit zu nehmen. Wertschätzend zu sprechen und gewünschtes Verhalten auch in einen Wunsch zu verpacken. Autoritäre Ansagen und das Erkennen von gegenseitigen Bedürfnissen passend nicht gut zueinander.

Als letzten Schritt geht es darum, zu vereinbaren, welche Verhaltensweisen die Bedürfnisse und Erwartungen aller bedienen. Komme ich wieder zum Beispiel der Pünktlichkeit kann es zum Beispiel sein:

„Wir schicken unserer Chefin fertige Arbeiten 2 Tage vor Fälligkeitsdatum. Dann kann er/sie auch bei großer Termindichte jedenfalls drüber schauen.“

Oder aus Sicht der Führungskraft:

„Sobald ich etwas Neues erfahre, das die Arbeit meines Teams beeinflusst, gebe ich die Info weiter. Wenn sie das von jemand anderem in der Kaffeepause erfahren, ist das nicht mehr rechtzeitig.“


UND:

Diese Übung kann jederzeit wiederholt werden, sobald sich die personelle Zusammensetzung in einem Team ändert, die Führungskraft wechselt oder Menschen das Gefühl haben, es ist nicht mehr klar, ob gegenseitig alles abgeglichen ist.

Viel Spaß beim Ausprobieren!